PM 17/2026: „Ich mag diese bunt gewürfelte Truppe“

Tue, Oct 6, 2026Presse

„Ich mag diese bunt gewürfelte Truppe“

Anett Greulich engagiert sich für die ‚Solidarische Landwirtschaft Bunte Höfe‘

Rostock. Am Samstag, den 10. Oktober, lädt die ‚Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Bekegarten’ der Bunte Höfe im Rahmen der Veranstaltungsreihe weltwechsel alle Interessierten um 14 Uhr auf ihre Flächen im Molkeweg in Groß Grenz ein. Müssen bei einer Solawi wirklich alle Mitglieder mitarbeiten? Warum verkaufen die ‚Bunten Höfe‘ ihr Essen nicht einfach im Laden? Was, wenn man sich die Mitgliedschaft nicht leisten kann? Diese und andere Fragen werden bei einem kritischen Ackerrundgang geklärt. Es gibt Gemüse zum Probieren, dazu Kaffee, Tee und Kuchen.

Anett Greulich hat die Veranstaltung mit organisiert. Sie ist seit zwei Jahren bei der Solawi dabei und steckt jede Woche zwei bis drei Stunden ehrenamtlicher Arbeit in die ‚Bunten Höfe‘. „Das ist mein Hobby“, sagt sie. Die Mitarbeit ist freiwillig und es gibt auch Ernteteiler:innen, wie die Mitglieder sich nennen, die sich einmal die Woche ihr Gemüse abholen und selber nicht mitarbeiten.

Bei einer Solidarischen Landwirtschaft schließen sich Gärtner:innen mit Verbraucher:innen zusammen. Diejenigen, die das Angebaute später essen, zahlen einen monatlichen Beitrag und können sich einmal in der Woche abholen, was auf dem Acker wächst. Der Vorteil für die Gärtner:innen: Sie können unabhängig von Kartoffelkäfern, Dürren oder Starkregen wirtschaften und planen. Und unabhängig von den Marktpreisen.

Für viele Ernteteiler:innen ist die Mitgliedschaft in der Solawi eine Herzensangelegenheit. „Zum Helfen zu kommen, draußen in der Natur zu sein, sich zu begegnen – das ist für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens geworden. Bei den ‚Bunten Höfen‘ erleben sie Gemeinschaft“, sagt Anett Greulich. Sie mag es, draußen in der Natur und Stille zu sein. „Aber ich mag auch unsere bunt zusammengewürfelte Truppe.“

Die Flächen in Groß Grenz sind umgeben von konventioneller Landwirtschaft. Den Unterschied sehe man gut, sagt Anett Greulich. Die Solawi-Flächen sähen einfach lebendiger aus. Weil nicht jeder Halm gleich lang ist und es eine größere Artenvielfalt gibt. Sie selber glaubt, den Unterschied auch zu schmecken: „Ich liebe Gemüse grundsätzlich, aber mittlerweile bin ich verwöhnt“, sagt sie. „Möhren oder Zucchini aus dem Supermarkt kann ich kaum noch essen.“

Damit sich diesen Luxus auch Menschen mit geringem Einkommen leisten können, gibt es ein solidarisches Bezahlmodell. Nicht alle 75 Ernteteiler:innen bezahlen gleich viel, sondern gemeinsam wird entschieden, wie der Jahresetat zusammenkommt.

„Zusammen bleiben! Für eine solidarische Nachbarschaft – global und lokal" Das Motto der Veranstaltungsreihe weltwechsel ist ein Aufruf, die großen aktuellen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. 76 Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie das gelingen kann. Die Veranstaltungsräume in 18 Städten und Gemeinden sind Orte der Zusammenkunft und Gemeinschaft, die es ermöglichen, im Gespräch zu bleiben. 

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern koordiniert die jährliche Reihe zu globalen Themen, die jedes Jahr im Oktober stattfindet. Sie wird von Engagement Global, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert.

Das Programm finden Sie hier.

V. i. S. d. P.: Jessica Weiß