PM 15/2026: „Es ist so einfach, Menschen zusammen zu bringen“

Tue, Oct 6, 2026Presse

„Es ist so einfach, Menschen zusammen zu bringen“

In ihrer „Suppenküche“ erleben Bad Doberaner Teilhabe

Bad Doberan. Die Suppenküche ist in Bad Doberan eine Institution. Um ihre Erfahrungen mit dem Treffpunkt Suppenküche zu teilen und Nachahmer:innen zu finden, lädt das Suppenküche-Team alle Interessierten am Mittwoch, den 14. Oktober, um 18 Uhr zu einem Probeessen ein.

Seit 18 Jahren essen jede Woche etwa 600 Menschen gemeinsam in der Suppenküche, in dem gemütlichen Fachwerkhaus der Münstergemeinde in der Klosterstraße 1b. Sie werden bedient und können zwischen zwei Gerichten wählen. Zusätzlich gibt es Nachtisch, Kaffee und meistens auch noch Kuchen. Wer kann, lässt eine Spende da.

„Wir waren nie eine Armenspeisung. Dass sich alle bei uns wohlfühlen, dass sich Menschen aus unterschiedlichen Milieus begegnen, das ist für mich der Kern unserer Suppenküche“, sagt Barbara Niehaus, die das Projekt seit 18 Jahren ehrenamtlich leitet. „Ich bin immer noch total begeistert davon, wie gut unser Konzept funktioniert.“ Das Konzept ist simpel. Es gibt Essen, das so gut ist, das so liebevoll angerichtet und aufgetischt wird, dass einfach alle kommen. Geschäftsleute im Anzug, Schulkinder, die auf den Bus nach Hause warten, Bürgergeld-Empfänger:innen, Arbeitslose, Rentner:innen, Wohlhabende, Geflüchtete.

Die Suppenküche ist ein utopischer Ort. Er macht alle, die da kommen, gleich. Zumindest für die Dauer einer Mahlzeit. „Wer da sitzt und isst, weiß oft nicht, welchen Hintergrund der Mensch neben ihm hat. So können sich zwei „unbeschriebene Blätter“ begegnen.“ Wie Menschen sich über ihre Milieus hinweg begegnen und in den Austausch kommen, ist wegen der zunehmenden Unzufriedenheit und gesellschaftlichen Spaltung eine der großen Fragen der Zeit. Dafür braucht man „dritte Räume“, halböffentliche Orte, die Begegnung ermöglichen. An denen Menschen eine gemeinsame Erfahrung machen – und Teilhabe an der Gesellschaft selber erleben oder im Fall der Suppenküche sogar schmecken können.

„Es ist so einfach, Menschen zusammenzubringen“, sagt Barbara Niehaus. Wie es gelingen kann, mehr von diesen Orten zu schaffen und Menschen ähnliche Erfahrungen zu ermöglichen – auch dazu möchte Barbara Niehaus am 14. Oktober mit ihren Gästen gerne ins Gespräch kommen. Natürlich wird es dazu auch ein typisches Suppenküchen-Essen geben. Nur diesmal eben am Abend, nicht am Mittag. Das soll auch all jenen die Chance geben, einmal vorbeizukommen, die mittags keine Zeit für eine Pause in der Suppenküche haben.

Für die beiden Köche und eine Bedienung gibt es Fördermittel, der Rest der Arbeit wird von einem großen Team ehrenamtlich geleistet. 40.000 Euro braucht es im Jahr zusätzlich an Spenden, vor allem um Lebensmittel einzukaufen. Das Gebäude stellt die Kirchengemeinde.

„Zusammen bleiben! Für eine solidarische Nachbarschaft – global und lokal" Das Motto der Veranstaltungsreihe weltwechsel ist ein Aufruf, die großen aktuellen Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen. 76 Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern zeigen, wie das gelingen kann. Die Veranstaltungsräume in 18 Städten und Gemeinden sind Orte der Zusammenkunft und Gemeinschaft, die es ermöglichen, im Gespräch zu bleiben.

Das Eine-Welt-Landesnetzwerk Mecklenburg-Vorpommern koordiniert die jährliche Reihe zu globalen Themen, die jedes Jahr im Oktober stattfindet. Sie wird von Engagement Global, der Norddeutschen Stiftung für Umwelt und Entwicklung, dem Kirchlichen Entwicklungsdienst der Nordkirche und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert.

Das Programm finden Sie hier.

V. i. S. d. P.: Jessica Weiß